Unsere Begegnungsreise nach China

Seit ca. 2 Jahren besteht zwischen dem Matthes-Enderlein-Gymnasium Zwönitz und der Xiuzhou Modern Experimental School Jiaxing die Idee einer Schulpartnerschaft. Der Kontakt wurde durch die ASG Annaberg hergestellt, wo chinesische Schüler_innen einen Intensivkurs in Deutsch als Vorbereitung auf das Abitur in Potsdam belegen können. Gefördert wird unser Austauschprogramm von der ENSA, welche in Seminaren die Teilnehmer schult und auf eine Begegnung auf Augenhöhe vorbereitet.

Schon mehrmals hatten wir seitdem chinesische Schüler an unserer Schule zu Gast und im Sommer 2016 kam es zur sogenannten Anbahnungsreise nach Jiaxing, an der drei Schülerinnen und zwei Lehrerinnen des MEGZ teilnehmen konnten. Jiaxing ist für chinesische Verhältnisse eher eine mittelgroße Stadt, südwestlich von Shanghai gelegen.

In diesem Schuljahr bestand nun die Möglichkeit für 9 interessierte Schüler_innen und  uns 2 Lehrerinnen vom 10. bis 23. Oktober 2017 in das große Land China zu fliegen und dort die Kultur, Traditionen, die Menschen und insbesondere das Schulsystem näher kennenzulernen. Unsere Begegnungsreise führte uns außer nach Jiaxing auch nach Shanghai und Peking. Dabei haben wir uns natürlich auch bedeutende Sehenswürdigkeiten nicht entgehen lassen, wie z.B. das Museumsdorf Wuzhen, den Shanghai-Tower, die Große Mauer, die Verbotene Stadt, den Sommerpalast, usw.

Im Zentrum unserer Schulpartnerschaft standen aber natürlich der Besuch der Partnerschule und das Leben in den Gastfamilien. Diese wollten den deutschen Besuchern möglichst viel bieten, aber auch wir hatten als Geschenke typisches Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge dabei.

Allerdings erlebten unsere Schüler_innen auch, dass der Schulalltag für die Schüler_innen einer privaten Internatsschule in China völlig anders verläuft als der eigene: Von 7.00 bis 17.00 Uhr findet Unterricht statt, unterbrochen von 1 Stunde Mittagspause. Im Anschluss werden bis zur Nachtruhe Hausaufgaben erledigt. Die gibt es reichlich, auch in den Ferien. Freizeit kennen die Mädchen und Jungen kaum. Viele benötigen auch Nachhilfe, oft an den Wochenenden.  Die Erwartungen der Eltern an ihre Kinder sind hoch. Schon sonntags um 15 Uhr reisen diese im Internat an, geben ihre Handys für die Woche ab und sitzen noch nachmittags wieder in den Klassenräumen. Jede Woche gibt es eine Prüfung und am Ende des Monats eine größere.

Tauschen wollte da niemand unserer deutschen Schüler_innen…

In „unserer“ Klasse lernen derzeit 48 Schüler_innen im Alter von 13/14 Jahren. Der Ratum war mit uns dann regelrecht überfüllt! Im Umgang miteinander zeigten sich aber schnell gemeinsame Interessen und so erlebten alle eine ganz besondere, bereichernde Zeit. Ob beim Frühsport, Aquarellieren, Scherenschnitt, im Unterricht oder auf der liebevoll vorbereiteten Abschiedsparty kamen sich die Jugendlichen schnell näher. Beim Abschied gab es dann so einige Tränen. Zum Glück besteht durch die sozialen Medien genügend Gelegenheit in Kontakt zu bleiben.

Ein völlig anderes Schulfeeling erlebten wir übrigens in einer staatlichen Schule in Peking, die nur für den Stadtteil zuständig ist und an der jeder nach dem Unterricht nach Hause geht. An dieser Schule pflegt man besonders die Tradition der Chinesischen Oper. Und das sehr erfolgreich! Das Schulgelände war in einem tollen Zustand! Auch hier konnten wir uns alle praktisch betätigen beim Malen, Schnitzen, Tanzen und Kämpfen. Das Highlight war aber ein Fußballmatch zwischen der Schulmannschaft und unserem zusammengewürfelten „Haufen“. Das 0:0 galt für uns als großartiges Ergebnis und wurde lautstark bejubelt.

Wir haben das Ziel, die Schulpartnerschaft mit der XZXD School in Jiaxing aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Dabei wird es zu weiteren Besuchen chinesischer Schüler_innen bei uns kommen und auch unsere Schüler_innen werden hoffentlich die Gelegenheit haben, solch eine großartige Reise wie wir zu erleben. Unser Dank gilt den Eltern, die bereit sind, chinesische Schüler_innen bei sich aufzunehmen und sie in ihren Alltag einzubeziehen. Das ist aufgrund der Sprachprobleme nicht immer einfach.

Nicole Watzlaw-Fischer und Heike Haase